Ich möchte:

Im Usabilitycheck: Die Website von dm-drogeriemarkt

PLATZHALTER

Startseite – mein erster Eindruck

Als ich die Webseite der dm-Drogeriemarktkette das erste Mal besuche, ist mein Eindruck positiv. Eine sympathische junge Frau schminkt sich die Lippen und wird dabei von rosa Bubbeln umspielt. Mit dieser Farbwahl spricht dm ihre weiblich-junge Zielgruppe gut an. Irritierend für mich ist jedoch die Tatsache, dass die junge Frau nicht etwa für dm, sondern für den Kosmetikhersteller bebe wirbt. Hier scheint wohl eine Werbekooperation zu bestehen.

Einen Tag später erwartet mich an gleicher Stelle das Werbebanner für eine Ausbildung bei dm. Auch nett, aber da ich keinen Ausbildungsplatz suche absolut uninteressant für mich. Was nehme ich also auf den ersten Blick mit: dm bildet aus, was ich gut finde, lenkt mich aber gleichzeitig mit dieser für mich sekundären Information von meinem eigentlichen Handlungsziel ab.

Die großformatigen Identitätsbilder dominieren zudem deutlich die Startseite. Wer mit einem kleinformatigen Bildschirm, also zum Beispiel Handy oder Notebook, die Startseite besucht, gelangt erst durch scrollen zum eigentlichen Inhaltsbereich. Für inhaltsreiche Unterseiten mag scrollen in Ordnung gehen, für die Startseite ist es ein No-Go. Da ich es, wie die meisten Nutzer des Internets immer etwas eilig habe, wenn ich etwas suche, sollte mir gerade die Startseite innerhalb von 10 Sekunden klar machen, was ich vom Besuch der Seite erwarten kann. Dies gelingt ihr nicht.

Was erwarte ich als Kundin auf der Seite zu finden?

Die Zeiten, in denen sich User ziellos durch das Netz treiben ließen, sind inzwischen vorbei. Studien kommen zu dem Ergebnis, dass das Surfverhalten heute deutlich fokussierter ist, als es noch in den Anfängen des Internets war. Zudem besuchen User tendenziell eher weniger Seiten, diese aber dann auch regelmäßig. Mit anderen Worten: Die Nutzer haben "Stamm-Seiten", die sie immer wieder besuchen.

dm möchte keinen Online-Shop betreiben. Die dm-Kunden sollen in die dm-Filialen kommen und nicht online shoppen. Aber auch unter diesem Gesichtspunkt wird mir das Webseiten-Konzept nicht ganz schlüssig. Die Webseite besteht größtenteils aus redaktionellen Beiträgen, zu denen passende Produktempfehlungen eingeblendet werden.

Was ich mich als dm-Kundin frage:

  1. Hat sich jemand bei der Konzeption der Webseite gefragt, was ich als Nutzerin auf dieser Seite erwarte, wenn ich die Adresse www.dm-drogeriemarkt.de in meinen Browser eingebe?
  2. Würde ich, wenn ich mich über gesunde Ernährung, medizinische Früherkennung oder Babypflege belesen möchte, wirklich eine Unternehmenswebseite wie die dm-Website als glaubwürdige Anlaufstelle wählen?

Als bekennende dm-Kundin habe ich einmal darüber nachgedacht, mit welchem Ziel ich die Seite die letzten Male besucht habe. Ich wollte:

  • die Öffnungszeiten einer Filiale erfahren,
  • digitale Fotos online bestellen,
  • Informationen über dm-Produkte.

Aber genau diese Inhalte musste ich bis jetzt immer mühsam zwischen den redaktionellen Inhalten heraussuchen.

Suche liefert überraschende Ergebnisse

Das führt mich zur Suchfunktion. Gebe ich in das Suchfeld oben rechts die Suchbegriffe „Foto“ und „bestellen“ ein, erhalte ich als Suchergebnisse:

  • „Service erleben“
  • Welche Grußkarten mit eigenen Foto-Motiven kann man bei dm bestellen?
  • Kann ich von der PARADIES Unterwasserkamera bzw. der Einwegkamera auch eine Foto-CD erstellen lassen?

Den sogenannten „dm-DIGIFOTO“-Bereich, hinter dem sich der Online-Bestellbereich für Fotos versteckt, finde ich im ersten Schritt über die Suche nicht. Auch durch die Einschränkung meiner Suche auf die Kategorie „Services“ und danach „nach Relevanz“ bringt mich nicht an mein Suchziel.

Änderungsanregungen aus Usability-Sicht

  • Im Identitätsbereich der Website keine Fremdwerbung / Werbebanner platzieren. Das Identitätsbild soll den Nutzer emotional ansprechen und gleichzeitig vermitteln, dass er auf der Webseite „richtig“ ist.
  • Identitätsbereich verkleinern, um eigentlichen Inhaltsbereich hervorzuheben. In Zeiten mobiler Anwendungen sollte die Seite auch auf iPad und Smartphones funktionieren. Das tat sie in meinem Test nicht.
  • Die Suchfunktion sollte überarbeitet werden und auf typische Suchanfragen auch die Informationen liefern, die gesucht wurden. Auf eine Suchanfrage wie „Foto“ und „bestellen“ sollte nicht ein allgemeiner Artikel „Service erleben“ erscheinen.
  • „Sprechende“ URL-Adressen verwenden. Kryptische Adressen wie http://www.dm-drogeriemarkt.de/cms/servlet/segment/de_homepage/ sind nicht nur nutzer- , sondern auch suchmaschinenunfreundlich.
  • Das Gestaltungskonzept sollte stärker an die Erwartungen der Nutzer angepasst werden. Bereits die Auswertung der Suchanfragen kann dazu hilfreiche Informationen bieten. Auch eine kurze Online-Befragung auf der Webseite zur Zufriedenheit und Erwartung ist leicht umsetzbar.

Fazit

Die mit der Umsetzung beauftragte Agentur hat die Seite technisch sauber umgesetzt. Doch das allein reicht nicht, um sie gut bedienbar zu machen. Eine Unternehmenswebseite hat einen wirtschaftlichen Zweck zu erfüllen. Sie ist kein Kunstwerk, dessen einziger Sinn es ist, hübsch auszusehen. Diesem wirtschaftlichen Zweck kann die dm-Seite jedoch nur ungenügend gerecht werden, da der psychologische Aspekt der Nutzung bei der Seitenkonzeption vernachlässigt wurde. Das Ergebnis ist eine hübsch anzusehende Seite ohne spürbaren Mehrwert für die Kunden. Bild: eigenes Foto

Von - 09.02.2012

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