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Wie lässt sich die Sprache der Nutzer sprechen?

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Unser Alltag und ganz besonders unser Arbeitsalltag ist von Fremd- und Fachbegriffen durchsetzt. Oft nutzen wir diese Begrifflichkeiten ohne uns dessen bewusst zu sein oder darüber nachzudenken, dass die uns so vertrauten Fachwörter und Abkürzungen anderen Menschen fremd sein könnten. Sobald wir jedoch für eine breitere Öffentlichkeit im Internet Texte schreiben oder auch Softwareanwendungen für spezielle Anwendergruppen konzipieren, müssen wir uns dieser Tatsache bewusst sein.

Die Kontaktzeiten mit einer Webseite sind kurz. Nur wenige Sekunden reichen den Besuchern aus, um sich ein Bild von der Seite zu bilden und zu entscheiden, ob die Webseite zu ihrem Suchziel passt. Auf der Webseite vermuten sie die Information oder Dienstleistung, die sie suchen. Wer dann mit Fachworten und Abkürzungen den Besuchern den Eindruck vermittelt, sich in ein Fachforum verirrt zu haben, ist seine Besucher auch ganz schnell wieder los.

Grundsatzfrage: Wer sind die Nutzer?

Wen man ansprechen will, weiß man in der Regel recht genau: die Zielgruppe. Unklar ist dagegen – zumindest im Internet, wen man erreicht. Die wenigsten Webseitenbetreiber wissen wirklich, wer die tatsächlichen Besucher ihrer Website sind. Oft können sie nur spekulieren, ob sich die Besucher ihrer Webseite mit der anvisierten Zielgruppe decken. Bei einer Fachanwendung ist die spätere Nutzergruppe deutlich einfacher zu bestimmen, aber auch dies allein reicht nicht aus, um am Ende tatsächlich die Sprache der Nutzer zu sprechen.

Methoden wie Personas, User Stories oder Fokusgruppen helfen dabei, sich in die Anwender hineinzuversetzen und dabei herauszuarbeiten, welche Sprachlichkeiten in der jeweiligen Nutzergruppe vertraut und gebräuchlich sind.

Texte optimieren

Wenn Sie wissen, wer Ihre Nutzer sind, können Sie die Begriffe und Texte daraufhin anpassen. Aus schwer verständlichen Fachbegriffen oder Umgangssprache werden so für die Nutzer klar zu verstehende Anweisungen.

Bevor jedoch ein Begriff geändert wird, sollte er einer kritischen Prüfung unterzogen werden:

1. Ist der Begriff nötig?

Gibt es vielleicht Begriffe, die die Inhaltsaussage besser wieder geben können und gebräuchlicher sind?

2. Wem ist die Bedeutung klar?

Fachbegriffe werden häufig genutzt, ohne das man sich deren tatsächlichen Bedeutung bewusst ist. Begrifflichkeiten wie „Web 2.0“ oder „App“ sind zwar in aller Munde, das heißt aber noch lange nicht, dass sie für Jeden auch die gleiche inhaltliche Bedeutung haben. Hier kann es deutliche Abweichungen zwischen der Auffassung von Laien und Spezialisten geben. Dieser Diskrepanz müssen Sie sich bewusst sein.

Unsere Empfehlung

Natürlich kann man alles erklären, aber das macht einen Text auch schnell zähflüssig und langweilt erfahrenere Leser. Was können Sie also tun?

1. Vermeidung

Ist ein Begriff schwer zu verstehen und seine Bedeutung nicht zentral, dann sollte er weggelassen werden.

2. Umschreibung

Ein Blick in ein Synonymwörterbuch (z.B. Wortschatzportal der Universität Leipzig) hilft oft weiter, für ein sperriges Wort eine passende Alternative zu finden.

3. Übersetzung

Ist ein Fachwort oder eine Abkürzung unumgänglich, führt kein Weg daran vorbei es einmal erklärend einzuführen. Danach kann es als bekannt vorausgesetzt werden. Sollte es zu viele erklärungsbedürftige Wörter geben, macht der Aufbau eines Glossars Sinn.

Sprache des Nutzers sprechen mal anders!

Einen völlig anderen Ansatz wagt die Sparkasse Köln-Bonn. Sie hat die Forderung, die Sprache des Nutzers zu sprechen beim Wort genommen und bietet beim Onlinebanking nun auch Dialekte an. Nutzer können selbst entscheiden, ob sie Ihr Onlinebanking im Dialekt oder auf Hochdeutsch nutzen möchten (Internet-Banking auf Kölsch). Inwieweit die Nutzung eines Dialektes jedoch wirklich zu Nutzerfreundlichkeit beiträgt und nicht eher als Marketing-Gag zu verstehen ist, bleibt dahingestellt. Gerade Dialekte weisen oft keine klaren Sprachregeln für einzelne Wörter auf, sodass sie der Verständlichkeit eines Textes auch schnell abträglich sein können. Gerade bei sensiblen Bankgeschäften ein mutiges Experiment.

 

Bildquelle: eigene Grafik

Von - 01.02.2012

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