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Der Five-Second-Test – Usability in 5 Sekunden?

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Sie besuchen eine neue, Ihnen unbekannte Webseite. Was denken Sie, wie lange verweilen Sie dort? Erhebungen kommen zu dem Schluss, dass die Verweildauer auf einer neuen Webseite durchschnittlich bei 5 bis 12 Sekunden liegt. Innerhalb weniger Sekunden trifft der Besucher also die Entscheidung, ob die Seite seiner Suchintention entspricht und er sich mit deren Inhalten näher auseinandersetzen wird oder ob er seine Suche woanders fortsetzen will. Eine entscheidende Rolle bei dieser Entscheidung spielt der erste Eindruck. Der Nutzer muss auf einen Blick erkennen, wo er sich befindet und wohin er von der Landing-Page navigieren kann, um sein Handlungsziel zu erreichen.

Der sogenannte Five-Second-Test bietet eine einfache Möglichkeit, den ersten Eindruck einer Landing-Page durch Testpersonen überprüfen zu lassen.

Wie funktioniert der Five-Second-Test?

Über einen Link gelangen die Testpersonen auf eine Seite, die ihm exakt fünf Sekunden lang einen Screenshot einer Webseite zeigt. Danach wird der Screenshot ausgeblendet und den Testern werden verschiedene Fragen zum gezeigten Screenshot gestellt. Damit ist der Test für den Tester abgeschlossen.

Wie können Sie einen Five-Second-Test Ihrer Seite durchführen?

Der australische Softwarehersteller Angry Monkeys bietet unter fivesecondtest.com ein webbasiertes Tool für den Five-Second-Test an. Auf der Seite können Sie einen Screenshot der zu testenden Seite hochladen und anschließend bis zu fünf Fragen definieren, die den Testern gestellt werden sollen.

Nach jedem Test erhält der Ersteller einen Report, der die Ergebnisse der Durchläufe festhält und nach einzelnen Fragen und Punkten auswertet, z.B. in Form einer Tag-Cloud mit den häufigsten genannten Begriffen. In der Basis-Version ist das Tool „Five-Second- Test “ kostenlos und kann damit nach der Registrierung unverbindlich getestet werden.

Ein ähnliches interessantes Tool findet man unter www.clueapp.com. Bei diesem Five-Second-Test kann vorher direkt eine URL eingegeben werden. So können per Webseite-Verlinkung Freunde und Bekannte zum testen eingeladen werden.

Was bringt der Five-Second-Test und was bringt er nicht?

Wenn es so einfach ist eine Webseite auf Usability zu testen, warum sind klassische Usabilitytests dann eigentlich so teuer? Nun den kleinen aber feinen Unterschied macht das, was ein Testverfahren misst. Der Five-Second-Test testet lediglich den ersten Eindruck. Er beantwortet also beispielsweise die Frage, ob die Seite einen professionellen Eindruck beim Nutzer hinterlässt oder ob das gewählte Farbspektrum gut ankommt. Dieser erste Eindruck hat allerdings nichts mit Usability zu tun. Usabilitytests beantworten die Frage nach der Bedienbarkeit einer Anwendung, also wie effektiv und effizient ein Nutzer zu seinem Ziel gelangt und wie zufrieden er mit der Zielerreichung ist. Für die Beurteilung der Benutzbarkeit spielen beispielsweise die verwendeten Begrifflichkeiten und das zugrunde liegende Bedienkonzept eine zentrale Rolle. Diese Aspekte lassen sich mit dem Five-Second-Test nicht abprüfen.

Zugrundeliegende psychologische Wirkmechanismen

Wenn wir uns von einer zuvor unbekannten Person oder Sache einen erste Meinung bilden, wirken der sog. Primacy- und Halo-Effekt. Der Primacy-Effekt ist ein Reihenfolgeeffekt und besagt, dass zuerst dargebotene Informationen, bei einer Webseite also das Design, prägend auf alle nachfolgend dargebotenen Informationen wirken. Wirkt das Design einer Webseite also übersichtlich und professionell, wird dieser Eindruck auch auf die Inhalte der Webseite übertragen. Der Halo-Effekt zielt in eine ähnliche Richtung und besagt, dass eine dominierende positive oder negative Eigenschaft, bei einer Webseite zum Beispiel der erste Eindruck der Webseite, sich auf andere Bereiche überträgt und das Eigenschaftenprofil insgesamt homogener wahrgenommen wird, als es eigentlich ist.

Fazit

Der Five-Second-Test ist kein Usabilitytest im eigentlichen Sinne. Er liefert Webdesignern allerdings wertvolle Informationen, denn der erste Eindruck wird unterschwellig wahrgenommen und beeinflusst das Gesamturteil einer Webseite. Die Methode bietet sich an, um sich durch Nutzer ein erstes Feedback zum Design einer Webseite geben zu lassen. Mit dem Test lässt sich also klären, ob das Webseitendesign einen positiven, professionellen Eindruck beim Nutzer hinterlässt. Viel mehr lässt sich aus den Ergebnissen des Tests für das Webseitenkonzept jedoch nicht ableiten. Für tiefergehende Fragestellungen nach der Verständlichkeit von gewählten Begriffen oder der Navigationsstruktur sind fünf Sekunden Testdauer einfach zu kurz.

Bei den angebotenen Online-Tools ist noch kritisch zu bemerken, dass nicht beeinflusst werden kann, wer die Testpersonen sind und ob sie aus der, mit der Webseite anvisierten Zielgruppe stammen. So kann bei dem von Angry Monkeys angebotenen Online-Tool beispielsweise vermutet werden, dass es sich überwiegend um Designer und Konzeptioner von Webseiten handelt, da das Thema „ Five-Second-Test“ in diesen Kreisen kursiert. „Echte“ Nutzer werden sich dagegen nur in Einzelfällen auf diese Seite verirren und an diesem Test teilnehmen.

Letztlich kommt es beim Einsatz des Five-Second-Test aber wie bei allen Testmethoden immer auf die zugrundeliegende Fragestellung an, ob er sich dafür eignet oder eben nicht. Im Grunde ist es wie mit einem Hammer. Er ist perfekt geeignet um einen Nagel in die Wand zu schlagen, will man jedoch ein Loch bohren, ist er denkbar ungeeignet.

 

Bildquelle: Claudia Hautumm / pixelio.de

Von - 04.07.2011

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