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Ambient Assisted Living als Alternative zum Altersheim

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Früher oder später trifft es uns alle – das Alter. Aber nicht nur Ältere, sondern auch körperlich behinderte Menschen sind unterschiedlich stark auf Hilfe angewiesen. In „Ambient Assisted Living“ (AAL), zu Deutsch „von der Umgebung unterstütztes Wohnen“, sehen Experten eine Chance, kostengünstige und effektive Lösungen im Gesundheits- und Pflegebereich bereitzustellen. Doch noch haben die Ansätze Schwächen, die es zu beheben gilt.

Ziel von AAL-Technologien ist es, auch einer immer älteren Bevölkerung durch den Einsatz von technischen Produkten und Ferndienstleistungen so lange wie möglich, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Im Rahmen des EU-Projekts PERSONA (PERceptive Spaces prOmoting iNdependent Aging) zum Beispiel arbeiten Forscher an einer Softwareplattform, die als Basis für verschiedene Unterstützungsanwendungen dient. So lässt sich die Küche mit einer Vielzahl von Sensoren ausstatten und über einen Home-Server überwachen. Vergisst der Bewohner beispielsweise, den Wasserhahn abzudrehen und Wasser fließt auf den Boden, registrieren Sensoren auf Fußboden und am Spültisch die Gefahrensituation. Über die hauseigene Computeranlage und mithilfe einer entsprechenden Mechanik wird der Wasserfluss abgestellt. Darüber hinaus werden die Bewohner über einen Lautsprecher vor der Rutschgefahr auf dem Küchenboden gewarnt.

Erste Systeme zur Überwachung des gesundheitlichen Zustands Behinderter und chronisch Kranker werden bereits heute von Notfallorganisationen angeboten. Allerdings haben sie zwei gravierende Schwachstellen. Zunächst einmal handelt es sich bei den meisten Systemen um sogenannte Aktiv-Systeme. Das heißt, der Bewohner muss selbst aktiv werden, wenn ein Alarm ausgelöst wurde und innerhalb eines Zeitfensters einen Aktivitätsknopf betätigen. Geschieht dies nicht, wird eine Notfallzentrale informiert. Durch die Vergesslichkeit der Nutzer kommt es daher häufig zu Fehlalarmen, sodass solche Dienste entweder schnell wieder abgeschafft oder aus Kostengründen gar nicht erst beauftragt werden. Diese funktionellen bzw. konzeptionellen Mängel lassen sich jedoch in absehbarer Zeit lösen. Die zweite Schwachstelle, mit den AAL-Techniken zu kämpfen haben ist die Nutzerakzeptanz. Bisher stehen ingenieurtechnische Lösungen im Vordergrund, bei denen beispielsweise mit unterschiedlichen Eingabeformen (z.B. Gestensteuerung) experimentiert wird. Dabei wird außer Acht gelassen, dass es sich bei der Hauptzielgruppe von AAL-Technologien um einen tendenziell eher technikängstlichen Personenkreis handelt, der aufgrund

  • seiner Scheu vor Neuem („Das will ich nicht!“),
  • seinem negativen Selbstbild („Das kann ich nicht!“) und
  • mangelnder Motivation („Das brauche ich nicht!“)

schwer zu überzeugen ist. Hochbetagten lassen sich neue Technologien kaum noch vermitteln. Auf der anderen Seite wollen agile „Best Ager“ nur ungern an ihr fortschreitendes Alter erinnert werden und fühlen sich durch spezielle Seniorenprodukte stigmatisiert. Anbieter von AAL-Technologien sollten daher ihre Lösungen so konzipieren, dass sie für Menschen möglichst vieler Altersstufen sinnvoll zu nutzen sind.

Beispiele, bei denen dieser Balanceakt bereits sehr gut gelungen ist, kommen aus dem Automobilbereich. Von Einparkhilfe, klimatisiertem Handschuhfach, niedriger Ladekante und optimierter Einstiegshöhe profitieren sowohl jüngere als auch ältere Menschen, obwohl diese Gimmicks ursprünglich mit Blick auf eine alternde Bevölkerung entwickelt wurden. Der Ansatz technische Geräte per Sensor zu überwachen und zentral über eine Steuerungseinheit zu verwalten ist daher ein guter Ansatz, den auch Jüngere zu schätzen wissen. Auch jüngere Menschen vergessen mal, das Licht auszuschalten oder sind sich beim Verlassen der Wohnung nicht sicher, ob alle Fenster und Türen verschlossen sind. Hat man sich einmal an die Sensoren und die zentrale Steuerungseinheit erst einmal gewöhnt, fällt es mit fortschreitendem Alter auch leichter, Ferndienstleistungen zu nutzen.

Projektbeispiele aus dem AAL-Bereich:

Bildnachweis:

Von - 14.04.2011

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